Rundgang durch den alternativen Bärenpark in Worbis

Eingangsbereich

Eingangsbereich des Bärenparkes
Bärenshop und Kasse

Am Anfang steht nicht das Wort, sondern die Kasse. Das Tierschutzprojekt finanziert sich fast auschließlich aus Spenden und Eintrittsgeldern. Diese entsprechen in etwa dem eines durchschnittlichen Kinobesuches, nur das hier echte Bärenbrüder zu sehen sind. Praktischerweise ist der Kauf der Eintrittskarte gleich mit einem Besuch des Souvenirladens verbunden. Im Gegensatz zu den Bären im eigenen Pelz einige hundert Meter weiter, finden sich hier neben Kalendern, Bildern und allerlei anderen Mitbringseln die aus Plüsch oder Mohair gefertigten Gesellen fürs eigene Heim. Mit dem Erwerb eines der Namensvetter Roosevelts wird auch gleichzeitig dieses in Deutschland bislang einzigartige Projekt finanziell unterstützt.

neu gestaltete Gehege im Fachwerkstil
Neu errichtete Gehege im Fachwerkstil kennzeichnen den Heimtierbereich

Im Gebäudekomplex am Eingang ist auch das Informationszentrum zur Haltung von Bären untergebracht. Dort werden die Schicksale und die weitere Entwicklung der hier aufgenommenen Bären aufgezeichnet, als auch der weltweite Mißbrauch der Bären durch den Menschen dokumentiert. So werden unter anderem Informationen, Bilder und Videos gesammelt, um sie wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise entstanden unter anderem schon Diplome und selbst eine Doktorarbeit.

neuangelegte Vogelvoliere
Savanne in Mitteleuropa

Bereits einen Blick in die Vergangenheit stellt der Rundumblick oben dar. In diesem Bereich am Eingang des Parkes hat sich zuletzt das Meiste getan. Da die Verhandlungen und Planungen für den Ausbau des Parkes noch nicht so weit fortgeschritten waren, wurde vorhandenes Geld in die Neugestaltung des Eingangsbereiches investiert.

neuangelegte Vogelvoliere
Ebenfalls im Fachwerkstil: Die neue Vogelvoliere

Die alten Anlagen mußten neueren Gehegen weichen, in denen Tiere zu sehen sind, die man durchaus auch von zu Hause kennt. Meerschweinchen und Schildkröten bekamen neue Fachwerkhäuser spendiert und Wellensittich und Co konnten eine nagelneue, begehbare Vogelvoliere beziehen, die den Savannen Afrikas und Australiens nachgestaltet ist. Zum Zeitpunkt der Panoramaaufnahme befand sich die Voliere noch im Bau und die Heimtiere waren noch in ihren alten Gehegen untergebracht.

schwarz-weiße Katze
Das einzige Raubtier, das sich gefahrlos streicheln läßt

Weichen muß ebenso die Futterküche im Eingangsbereich, an dessen Stelle früher einmal der ursprüngliche Bärenzwinger stand. Der Neubau eines entsprechenden Wirtschaftsgebäudes ist als nächste größere Veränderung im unteren Teil des Parkes geplant. Zusätzlich soll ab dem Jahr 2006 auf dem naheglegenen Iberg ein Umweltschutzzentrum entstehen, in dem dann auch dauerhaft ein Indianerdorf seinen Platz finden wird.

Nymphensittiche in der Vogelvoliere
Nymphensittiche

Einige Tiere betrachten den ganzen Bärenpark als ihr Domizil. Pfauen und Katzen laufen im Gelände frei umher. Letztere begleiten Besucher auch schon mal ein paar Stationen durch den Park. Wer Stubentiger mag, kann auch mal bei den Parkmitarbeitern anfragen. Es kommt leider immer wieder vor, daß 'Katzenliebhaber' ihre Haustiere in der näheren Umgebung des Parkes aussetzen oder sie gar über den Zaun werfen.

Bärenzwinger

Die Tür zum Käfig steht offen, der Platz hinter den Gitterstäben ist verwaist. Hier lebt auch keiner der Tatzenträger mehr. Die Besucher des Parkes können jetzt den Zwinger besichtigen und einen Blick durch die Gitterstäbe nach draußen werfen. Auf 40 Quadratmetern, das entspricht einem Tausendstel der heute zur Verfügung stehenden Fläche, lebten hier einst bis zu vier Bären. Ein alter Autoreifen, zwei Baumstämme, ein paar Stufen und eine kleine Wasserstelle dienten ihnen als Beschäftigung. Zuletzt war dies das Reich der Bärin Maika.

Maikas ehemaliger Zwinger
Der ehemalige Bärenzwinger

Mißbrauch

In China werden tausende Kragenbären auf Tierfarmen gehalten. Die Tiere tragen auf der Brust einen sichelförmigen Flecken und deshalb auch den Beinamen Mondbären. Und sie weisen noch eine Besonderheit auf. Ihre Galle produziert in hoher Konzentration einen Stoff, der nachgewiesenermaßen bei verschiedenen Krankheiten hilft. Mit Metallrohren oder Schläuchen, die den Bären einoperiert wurden, wird ihnen zweimal täglich diese Flüssigkeit abgezapft. In Südkorea und Vietnam werden Bären aus diesem Grund ganz und gar in Kellern gehalten. So vegetieren die Bären bis zu ihrem schleichenden Tod in Käfigen, die nicht viel größer sind als sie selber. Umso unverständlicher ist dies, da dieser Wirkstoff bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert künstlich hergestellt werden kann, die Qualen der Bären somit vollkommen überflüssig sind...

Informationen zu Verhaltensstörungen von mißhandelten Bären
Stereotypien

Ungleiche Kämpfe werden zur Unterhaltung der Menschen in Pakistan veranstaltet. Mehrere Hunde treten gegen jeweils einen festgebundenen Bären an, dem Krallen und Zähne gezogen wurden. Den Sieg der Hunde zahlt der Bär mit schweren Wunden, Verletzungen oder dem Tod...

In Osteuropa verdienen nicht wenige Familien ihren Lebensunterhalt mit sogenannten Tanzbären. Diesen wurden zum Klang von Trommeln auf den sprichwörtlich glühenden Kohlen das Tanzen beigebracht. Bei Auftritten vor Publikum wird der Bär wiederum durch Trommeln schmerzhaft an sein Kunststück erinnert....

Der Eingang zum Bärenzwinger
Eingang des Bärenkäfigs

Aber auch in Deutschland haben die Petze oftmals unter sehr schlechten Bedingungen zu leiden. Zirkusse, die regelmäßig ihre Standorte wechseln müssen, können schon rein platzmäßig gar nicht in der Lage sein, Wildtiere artgerecht unterzubringen. In Zoos sind sie oft auf Flächen untergebracht, die höchstens noch in Japan als vermietungswürdig betrachtet werden, obwohl dort mehr Platz zur Verfügung stände. Durch diese Art der Unterbringung ziehen sich die Bären körperliche Schäden und Verhaltensstörungen, zum Beispiel immer wiederkehrende Bewegungsmuster, sogenannte Stereotypien, zu. So klein diese 40 m² hier erscheinen, einigen der mittlerweile im Park lebenden Bären standen lediglich ein Drittel oder gar nur ein Viertel dieser Fläche zur Verfügung. Spitzenreiter in dieser unrühmlichen Wertung sind die Tierparkbärin Mischka mit 16 m², die Zirkusbären Kathi mit 10 und Samson mit ganzen 5 m².

Zirkuswagen zur Haltung von Bären
Zirkuswagen zur Unterbringung von Bären

Samson wurde jahrelang in einem Kühlwagen gehalten, ehe er nach Worbis kam. In seiner kleinen Behausung war das auf der Stelle springen die einzig mögliche Bewegung, die ihm blieb, wodurch er sich schwere gesundheitliche Schäden zuzog. Trotz langwieriger Behandlung mußte er letztendlich eingeschläfert werden. An ihn erinnert heute noch eine Tafel im Park.

Wenn Sie den ehemaligen Bärenzwinger betreten, lassen Sie einfach mal den Blick schweifen. Diese Sicht durch die Gitterstäbe war für fünf Jahre alles, was Maika von der Welt zu sehen bekam.

Bauerngarten

Wasserpumpe im Garten
Handbetriebene Wasserpumpe

Gleich gegenüber des Zwingers liegt ein kleiner Garten, in dem Obst, Gemüse, Blumen und Kräuter angebaut und geerntet werden. Die Bärenkantine bezieht von hier einen Teil ihrer Zutaten für die Mahlzeiten der Tiere. An der Ernährung der Bären könnten wir Zweibeiner uns ein Beispiel nehmen, denn die besteht zu einem Großteil aus pflanzlicher und nur zu geringen Teilen aus tierischer Kost. Auch ist nichts darüber bekannt geworden, daß Petze jemals einen ihrer Berliner Artgenossen zerstückelt und verspeist hätten.

Bienenstöcke
Bienenstöcke

Wenn es ein Klischee über Bären gibt, dann das des Bienennester räubernden Honigliebhabers. Diese Vorliebe machen sich auch die hiesigen Tierschützer zu nutze und den Braunbären damit zum Beispiel benötigte Medizin schmackhaft. Drei Blumenfliegerkollektive mit zusammen rund 50000 Exemplaren sorgen hier für Nektarnachschub und die Bestäubung der Pflanzen im Garten. Um die Bienen nicht gleich im Gedanken zu lassen, sie würden den Honig für sich sammeln, wurde, wie ein Schlag mit einem Zaunpfahl anmutend, ein hölzerner Bär, in dem auch eines der Völker wohnt, neben die Bienenkörbe aufgestellt.

Herbst im Bauerngarten
Herbstimpressionen

Fütterung

Besondere Zeitpunkte zur Beobachtung der Bären sind natürlich die täglichen Fütterungen. Diese werden jedoch nicht jeden Tag zur gleichen Zeit durchgeführt. Auch wird das Futter in der ganzen Anlage verteilt und nicht nur an Punkten, an denen sich die Bären gerade aufhalten. Die Tiere sollen so angeregt werden, sich ihre Rationen selbst zu suchen und sich gegebenenfalls mit Artgenossen oder Wölfen darum streiten.

Fütterung der Bären
Bei der Fütterung im Park

Den zahlenden Besuchern des Parkes möchte man dies selbstverständlich nicht zumuten. Wer seinen Bärenhunger stillen will, dem steht Essensausgabe für Besucher während der Öffnungszeit durchgängig an der Blockhütte im Bärenwald zur Verfügung, zu der wir später noch gelangen werden. Die Zeitpunkte der Fütterungen der Bären lassen sich bei den Mitarbeitern oder an der Kasse erfragen.

Vom Garten aus bietet sich eine schöne Aussicht ins Urbach, einem Tal, durch das sich ein kleiner Bach, die Hahle, schlängelt. Bis vor einigen Jahren war es sogar möglich von diesem Standpunkt aus einen Blick auf die Zugspitze zu werfen. Allerdings wurde die Eisenbahnstrecke 2001 stillgelegt...

Bauernhof

Bauernhof
Bauernhof

Linker Hand tauchen Ställe und Futterstellen auf. Wir könnten auch daran vorbei gehen, aber wir wählen den Weg über den nachgebauten, kleinen Bauernhof. Kaninchen und Hühner, aber auch zwei ganz besondere einheimische Haustierrassen haben hier ein Zuhause gefunden. Die hier umherlaufenden Schafe und Ziegen waren einst typische Vertreter dieser Region und sind nun vom Aussterben bedroht. Schon zu DDR-Zeiten war dies bekannt und der ehemalige Heimattiergarten hatte sich um den Erhalt der Arten bemüht. Nach der Übernahme des Parkes wurden vorher hier lebende Ponys, Esel und Mufflons an andere Einrichtungen abgegeben, um Platz zu schaffen, aber dieser beiden Tierarten nahm sich auch der neue Träger an.

Thüringer Waldziege
Wer schaut hier wen an?

Thüringer Waldziege

Diese Ziegengattung wurde fast ausschließlich im Gebiet zwischen Harz und Rhön gezüchtet. Durch die Kreuzung der Toggenburger Ziegen mit Landziegen entstand eine sehr robuste und widerstandsfähige Art, was in den Höhenlagen des Thüringer Waldes auch nötig war. Mitte des letzten Jahrhunderts ging die Zahl der Tiere stark zurück. Heute leben nur noch wenige hundert meist weibliche Tiere. Bei dieser Tierart ist es übrigens gar nicht so deutlich erkennbar, ob sie nicht vielleicht die Gäste in Augenschein nehmen. Sie zeigen sich sehr technikinteressiert und Photoausrüstungen werden besonders kritisch begutachtet...

Leineschaf
Leineschaf

Leineschaf

Noch 1937 gab es über 77000 Tiere dieser Art in Deutschland. Das Zuchtgebiet lag vorrangig im Leinetal zwischen Göttingen und Hannover, daher auch der Name, und im Eichsfeld. Nach und nach sind durch Einkreuzungen neue Typen entstanden, so das die ursprüngliche Art mittlerweile fast ausgestorben ist. Es existieren nur noch kleine Zuchtgruppen und Einzeltiere.

Speziell für Schüler kann hier ein Erlebnisunterricht auf einem Bauernhof veranstaltet werden. Mit allen anfallenden Tätigkeiten, wie Füttern oder Stall ausmisten. Dies sind aber noch nicht alle Angebote für die Besucher, egal ob Gruppe oder Schulklassen. Rund um Bär, Wolf, Schaf, Wellensittich und Meerschwein werden alle erdenklichen Aktivitäten geboten. In der Zukunft ist geplant, Kindern die Möglichkeit zu bieten, bis zu eine Woche lang im Park leben, lernen und mithelfen zu können.

Weitere Informationen zu den Erlebnisprogrammen im Bärenpark finden sich auf deren Internetseite...

Eines dürfen alle Besucher des Bauernhofes auch außerhalb der angebotenen Programmpunkte tun: Das Streicheln ist ausdrücklich erlaubt und von einigen Tieren wohl auch sicherlich erwünscht.

Bauernhof / Streichelzoo
Bauernhof mit einheimischen Haustierrassen

Nach dem Verlassen des Bauernhofes, bei dem man unbedingt das Tor schließen sollte, kann man noch abseits der Hauptroute einen kleinen Abstecher zum Waschbärengehege und der angrenzenden Bärenhöhle unternehmen...

Waschbärengehege

Waschbärenanlage
Waschbär

Unmittelbar hinter dem Ausgang des Bauernhofes erreichen wir einen kleinen Aussichtspunkt. Dazwischen wuseln ein paar maskierte Gesellen mit Schwänzen im Ringeldesign. Es sind Waschbären. Den Namen tragen sie wohl eher zu unrecht. Gerade geschlechtsreife Artgenossen riechen nicht so, als ob sie je etwas von Hygiene gehört hätten. Zwar kommt es vor, daß Waschbären ihr Futter vor dem Verzehr abspülen, zumeist tasten sie jedoch in klarem Wasser nach Eßbarem. Tastbär wäre also die treffendere Bezeichnung gewesen.

Waschbär auf einem Baum
Kletterkünstler

Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika. Im Jahr 1934 wurden zwei Pärchen am Edersee bei Kassel aufgrund ihres begehrten Felles in die Freiheit entlassen. Dies aber nur, um ihnen gleich wieder Löcher in selbiges schießen und es ihnen danach über die Ohren ziehen zu können. Da Waschbären außer der Müllabfuhr allerdings keine natürlichen Feinde in Mitteleuropa haben und sich die meisten deutschen Schützen zu Beginn der 40er Jahre im Ausland aufhielten, vermehrten sich die Tiere unkontrolliert und breiteten sich bis nach Österreich und Frankreich aus. Erst seit der Wiederansiedelung des Luchses hat der Waschbär einen Gegenspieler in der Natur. Ein Großteil der Population lebt nach wie vor im nahegelegenen Kassel, das sich aus diesem Grund auch Waschbärenhauptstadt nennen darf. Mittlerweile haben sich die Waschbären dort so sehr an die Zivilisation gewöhnt, daß sie von der Bevölkerung zunehmend als Plage empfunden werden.

Waschbär
Der Pelz in der Brandung

Aus diesem Grund haben einige der Tiere auch ihren Weg hierher gefunden. Die Geschwister der beiden älteren Waschbären Ulf und Ingo wurden erschlagen, ihnen selbst drohte das gleiche Schicksal. Daraufhin wurde sie in der Wildtierpflegestation in Göttingen aufgenommen. Schlußendlich fanden sie ein Heim in Worbis. Zu ihnen gesellten sich später noch drei Jungtiere. Nicht so einfach zu entdecken ist das ebenso in der Anlage untergebrachte Fuchspärchen. Rudi und Elke gehörten schon zum Bestand des ehemaligen Heimattiergartens. Während er sich ab und an auch tagsüber aus dem Bau traut, hütet sie diesen tagsüber und verläßt ihn meist nur in den Abendstunden.

eine nachgestellte Bärenhöhle
eine nachgestellte Bärenhöhle

Hier leben die Tiere nun in einer gut 1000qm großen Anlage mit ein paar Linden, viel Unterholz und einem kleinen Bach, der in einem Teich mündet.

Bärenhöhle

Beim Verlassen der Waschbären entdecken wir linkerhand den Eingang zu einem nachgebauten Winterquartier eines Bären. Hier kann man sich einen ungefähren Eindruck verschaffen, wie die Petze die kalte Zeit des Jahres verbringen.

...zurück zum Bauernhof...

Freianlage

Ein kleiner Anstieg führt uns zum höchsten Punkt des Parkes. Von hier oben läßt sich erstmals ein Blick in die zur Zeit vier Hektar große Freianlage für die Bären werfen. Mischwald, Unterholz, echter Waldboden, Hügel, Höhlen, ein Bachlauf und zwei Teiche sorgen bei den Petzen für echtes Wildtiergefühl. Für die nähere Zukunft ist geplant die Fläche für die Tiere um 10 auf dann circa 17 Hektar zu erweitern. Dann können auch wieder weitere Schützlinge in Worbis aufgenommen werden.

Bär
Meister Petz

Die Bären können sich in dieser weitläufigen Anlage nicht nur einen Wolf laufen, sondern teilen sie sich sogar mit einem ganzen Rudel davon. In freier Wildbahn sind beide Arten Nahrungs- und Revierkonkurrenten. Hier im Park ist die gemeinsame Unterbringung eine Art Therapie, um sich gegenseitig zu natürlichen Verhaltensweisen anzuregen. Sie sollen sich um das Futter und den beanspruchten Platz streiten. Die ganze Anlage besteht aus mehreren einzelnen Teilen, die sich untereinander trennen lassen und durch Schieber und kleine Tunnel zu erreichen sind. Den Wölfen steht ein separates Gehege zur Verfügung, welches von den Bären nicht betreten werden kann.

Wölfe
Meister Isegrim

Die Größe der Anlage sollte auch jetzt schon nicht unterschätzt werden. Die Bären sitzen hier nicht auf dem Präsentierteller. Relativ wenigen Bären steht relativ viel Platz zur Verfügung. Platz, den sie benötigen, um sich auch einmal zurückziehen zu können. Es kann durchaus sein, daß von einem Punkt aus einmal kein Tier zu sehen ist. Ein wenig Geduld und etwas Zeit ist schon nötig, um die Bären zu entdecken und zu beobachten. Noch ein Tip: ein Fernglas als Utensil kann nicht verkehrt sein.

Schilder mit Hinweisen zu den einzelnen Bären
Schilder mit Hinweisen zu den einzelnen Bären

bärig

Im Worbiser Park werden keine Bären gezüchtet. Mehr als zweihundert Tiere warten schätzungsweise allein in Deutschland auf bessere Lebensbedingungen. Eine Zucht wäre weit mehr als nur verantwortungslos. Und so betreibt man hier mitten im katholischen Eichsfeld aktiv Verhütung. Bei den männlichen Bewohnern wird durch einen Eingriff unter die Gürtellinie die Weitergabe von Sbärmien verhindert. Durch diese Operation werden die Bären nicht nur zeugungsunfähig, sondern auch deutlich ruhiger und umgänglicher in ihrem Verhalten. Dies ist nur ein kleiner Schnitt für einen Bären, aber ein großer Sprung für die Bärinnen im Park, denn 7 der 12 derzeit hier lebenden Petze sind weiblich. Aber wenn sich diese mehrere Zentner schweren Damen mehrmals im Jahr liebesbedürftig gebärden, erinnern sich auch die Herren wieder daran, daß sie nach wie vor nicht ganz unentbärlich sind.

Rochuskapelle

Rochuskapelle
Rochuskapelle

Lange Zeit vor dem Petz kam die Pest nach Worbis. Im Herbst des Jahres 1682 starben 385 Worbiser an den Auswirkungen einer Epidemie des Schwarzen Todes. Die Leichen wurden außerhalb der damaligen Stadtgrenze verscharrt. In jenen Tagen schworen die Einheimischen an diesem Ort eine Kapelle zu errichten, sobald die Gefahr vorüber sei und überhaupt noch Einwohner übrig sind. Und schon im Jahr 1883 wurde trotz leerer Stadt, leerer Stadtkassen und dringend anstehender Reformen des Gesundheitswesens der Grundstein für diese Kapelle gelegt, die nun an das Gebiet des Bärenparks angrenzt.

Bärenwelten

Eingang zur Welt der Bären
Der Eingang zu den Bärenwelten

Unsere Tour führt etwas vom Gehege weg nach rechts in einen kleinen Wald hinein. Ein Schild heißt uns im Reich der Bärenwelten willkommen. Zwar hat hier nicht Gunthbär von Hagens plastinierte Bärenkörper zur Schau gestellt, interessant gestaltet ist dieser Bereich allemal.

Klettergerüst
Klettergerüst

Verwunderung löst im ersten Moment der Haufen hinter dem nachgestellten Iglu aus. Die natürliche Umgebung des Eisbären ist nicht etwa die Müllhalde, sondern eher die Gegend, in der das Baumaterial noch vom Himmel fällt. Auch sollten sich Besucher nicht ermutigt fühlen, dort selbst Abfälle zu entsorgen. Mit dieser nicht gerade schönen Aktion soll auf die Zerstörung der Umwelt aufmerksam gemacht werden, deren Folgen sich auch in der Arktis nicht mehr einfach unter den Schneeteppich kehren lassen.

Auskünfte über Großbärenarten
Informationspfade durch den Wald

Die Mitarbeiter des Parkes haben auf diesem Bärenlehrpfad allerlei Wissenswertes über die verschiedenen Großbärenarten, deren Lebensweise und -räume zusammengetragen. Diese Informationen werden dem Interessierten teils in typischer Umgebung näher gebracht. So befindet sich zum Beispiel die Tafel für den in China beheimateten Panda etwas abseits in einem kleinen Bambushain.

Brillenbärennest
Brillenbärennest

Jeder Bärenparkbesucher ist angehalten, diesen Bereich abseits des Weges auf kleinen, in den Wald führenden Pfaden selbst zu erkunden. Ein auf einem Klettergerüst angebrachtes Fernrohr lädt zur Suche nach dem Nest eines Brillenbären ein. An Bäumen finden sich Kratzspuren, am Boden Abdrücke von Bär und Wolf. Aufmerksame Abenteurer dürfen Freß- und Ruheplätze entdecken, weniger aufmerksame in ein BärenWC treten. Der Besucher wird dazu gebracht sich etwas zu merken, ohne es zu merken...

Abdrücke von Bären
Abdrücke von Bären

Am Ende dieses Wegabschnitts befinden sich noch zwei kleinere Schmankerl für die Gäste. An einem riesigen Baumstamm läßt sich anhand der Jahresringe die Geschichte von Bär und Wolf in Mitteleuropa nachvollziehen. An dieser Stelle stehend, an der sich früher eine Freilichtbühne befand, schaut man genau in die Richtung, in die der Bärenpark seine Erweiterung plant. Ein Blick über die Schulter offenbart die zweite Attraktion, allerdings hauptsächlich für Sportliche: eine BäRennstrecke. Wer unbedingt erfahren möchte, daß er in freier Wildbahn keine Chance bei einem Wettlauf mit Bären hat, darf hier antreten.... und verlieren. Olympiagoldverdächtige 50 bis 60 Kilometer in der Stunde sind auf Seiten der Bären locker drin.

Bären-Rennstrecke
Wettlauf mit einem Bären
Geschichte der Bären anhand von Jahresringen eines Baumes
Die Geschichte der Bären anhand von Jahresringen

Bärenwald

Eingang zum Bärenwald
Eingang zum Bärenwald

Wir stehen vor dem Eingang in den Bärenwald, der wie eine Insel inmitten der Bärenanlage liegt. Gitter aus Maschendraht, die sich zu langen Röhren formen und an die Raubtiergänge in einem Zirkus erinnern, führen den Besucher direkt durch das Gehege in diesen Teil des Parkes. Steven Spielbärg hätte einen Filmklassiker Jubäric Park nicht besser umsetzen können. Die Bewohner des Geheges nutzen rechts und links des Zaunes stehend auch schon mal die für uns ungewohnte Situation und betrachten die nunmehr 'Eingesperrten', die für dieses Gefühl immerhin Eintritt bezahlt haben...

Laufkäfig ins Innere des Freigeheges
Laufkäfig

Indianerdorf

Unmittelbar nach dem Verlassen der Drahttunnel fallen die langen Holzpfähle auf, in die unter anderem Tiergesichter geschnitzt sind. Es ist gar nicht verkehrt, diese langen Baumstämme als Stammbäume zu bezeichnen. Im Gegensatz zu so mancher religiösen Organisation haben die Ureinwohner Nordamerikas schon früh ihre verwandschaftlichen Beziehungen zu anderen Geschöpfen der Erde entdeckt. Die Völker der Algonkin im Nordwesten der heutigen USA, unter anderem die Blackfoot, sahen bestimmte Tiere, zum Beispiel Bären, Wölfe oder auch Adler, als ihre Vorfahren, die sogenannten Totems, an. Auf Pfählen wurden sie und Teile der Familiengeschichte eingeschnitzt und unmittelbar vor die Behausung gestellt.

Totempfahl
Geschichten aus der Familie: Totempfähle

Nur ein paar Meter weiter haben wir die Möglichkeit mal zu schauen, wie es bei Indianers so zu Hause ausschaut. Tipis, wie die Zelte der Ureinwohner Amerikas heißen, stehen zur Besichtigung offen. Sicher ist die Bezeichnung Indianerdorf für ein oder zwei Eigenheime etwas hochgegriffen, aber jeden dritten Sonntag im August zum Indianerfest vervielfältigt sich die Anzahl der in den Himmel ragenden Tipistangen. Zum Indianerfest darf man sich über indianische Traditionen informieren und an Wettkämpfen und Spielen beteiligen. Unechte und echte Indianer, zum Beipiel ein richtiger Schwarzfuß, lassen sich bei der Herstellung von Schmuck über die Schulter schauen, es gibt professionelle Tanzeinlagen und Pferdeshows.

Indianerzelte im Bärenpark
Indianerdorf

Auf zwei Pfaden gelangt man weiter zur nächsten Station unserer Tour. Einer dieser Wege führt an einer Quelle vorbei. Diese trägt den Namen Altenbrunnen, da Volkes Mund dieses Tal früher auch als Altengrund bezeichnete. Einer Sage nach gibt es aber noch eine andere Bezeichnung...

Nadelquelle
Stoff für eine Sage - Die Nadelquelle

Sagenhaftes - der Nadelbrunnen

Tragisch genug ihr Dasein ohne Witwenrente fristen zu müssen, erblindete im Vorschulalter auch noch der kleine Sohn einer Frau als Folge einer Augenkrankheit. Kein Mittel wollte helfen, als ihr im Traum geraten wurde, die Augen des Jungen siebenmal mit dem Wasser dieser Quelle auszuwaschen. Sie tat dies trotz Warnungen vor Risiken und Nebenwirkungen durch Ärzte und Apotheker. Dabei fiel ihr eine Nadel von einem Tuch in das Quellwasser. Alsbald rief der Junge freudig aus: Krass, ich kann wieder sehen. Auf die erstaunte Frage der Alleinerziehenden, was er denn sehen könne, antwortete der Junge: ...eine Nadel. Seit dieser Zeit trägt die Quelle auch den Namen Nadelbrunnen. Leider funktioniert dies nicht mehr, da wohl der Deutsche Optikerverband gegen solcherlei geschäftsschädigende Praktiken protestiert hat.

Gehege am Bärenwald
Gehege am Indianerdorf

Blockhütte

Blockhütte
Blockhütte mit Aussichtsplattform

Fast am Ende unserer Tour angelangt, erreichen wir die Blockhütten. Hier befindet sich auch der schon erwähnte Imbiß für die Besucher, der im Moment eine Umgestaltung erfährt und dessen Sitzgelegenheiten und Tische verschönert werden. Von hier aus kann man sich aus fast allen Blickrichtungen von Bären beobachten lassen.

Blockhütte
Fast schon Urwaldfeeling...

Und wer sich hier ausruht, kann sich ja einmal überlegen, ob er den Bärenpark in seinem Anliegen nicht in der einen oder anderen Form unterstützen möchte. So lassen sich Parzellen pachten, Patenschaften für Bären übernehmen oder auf dem Rückweg doch noch Mitbringsel erstehen. Aber auch ein erneuter Besuch im Bärenpark Worbis hilft diesem Tierschutzprojekt, das mittlerweile bereits Nachahmer gefunden hat. So entsteht in der Nähe von London eine Anlage, in der nach dem Worbiser Vorbild Bären und Wölfe gemeinsam leben sollen. Im Schwarzwald ist ein zweiter alternativer Park für Deutschland in Planung. Auch hier steht das Projekt der eichsfelder Gemeinde Pate und beweist mit Besucherzahlen von über einer halben Million eindrucksvoll, daß sich Menschen nicht nur von tanzenden und kämpfenden Bären anziehen lassen, sondern auch von Tieren in natürlicher und artgerechter Umgebung.

Bär im angrenzenden Gehege
Faulpetz

Winterruhe

Einmal im Jahr legt ein Teil der Bären ein besucherunfreundliches Verhalten an den Tag und sich zur Ruhe. Zuvor betätigt sich jeder Einzelne noch als Handwerkbär, hebt Gruben oder Höhlen im Erdreich aus oder restauriert Behausungen der letztjährigen kalten Jahreszeit für seine Bedürfnisse. Der Park verwandelt sich sozusagen in eine Anlage von Erdbären.

Imbiß
Besucherfütterung

Bären ruhen den Winter über, da ihnen in ihrer natürlichen Umgebung zu dieser Jahreszeit weniger Nahrung zur Verfügung steht. Dies wäre hier im Park sicherlich nicht der Fall und dennoch freuen sich die Tierschützer über jeden müden Petz. Immerhin 10 der 12 Bären haben im Winter 2004 wieder zurück zu ihren natürlichen Instinkten gefunden und die Wintermonate für eine kleine Pause genutzt. Sie tun dies jedoch nicht alle auf einmal, sondern zu verschiedenen Zeiten und von unterschiedlicher Länge, sozusagen im Schichtbetrieb. Die nicht Wintermüden und vor allem die Wölfe nutzen in dieser Zeit die nun ihnen gehörende Anlage umso intensiver. Besucher im Winter stehen also nicht vor einem leeren Gehege. Die Bären werden auch während ihrer Winterruhe nicht gestört und nicht wie anderenorts vorzeitig und in verwahrlostem Zustand durch 600 schwerbewaffnete GIs aus ihrem Erdloch geholt.

Aussichtsplattform

Anlagenbereich C des Freigeheges
Blick von der Aussichtsplattform

Eine der Hütten besitzt eine kleine Plattform von der sich der Anlagenbereich C des Parkes gut überblicken läßt. Dieser Ausschnitt, der vorerst die letzte Station unseres Rundganges darstellt, ist zugleich das Erste, was neuankommende Bären von ihrer neuen Heimat mitbekommen. Im Hintergrund zwischen Bäumen erkennbar steht die Eingewöhnungsstation. Die Bären verbringen dort nach ihrem Eintreffen ihre Quarantänezeit, werden untersucht und gegebenenfalls behandelt ehe sich die Schieber öffnen und sie sich zum ersten Mal mit Waldboden und freier Natur und nach und nach natürlich ihren Artgenossen vertraut machen können. In Notfällen werden die Tiere hier untergebracht oder können operiert werden. Die Station bietet aber auch Platz für wissenschaftliche Zwecke. Von hier läßt sich das Verhalten der Tiere beobachten, dokumentieren und auswerten.

Nadelquelle
Bachlauf unterhalb der Aussichtsplattform

Mit zwei Teichen, einer davon ist leider nur schwer einsehbar, einem kleinen Bachlauf, der sich aus der vorhin schon angesprochenen Quelle speist, Bäumen, Unterholz und Hügeln bietet sich für den Besucher die vielleicht beeindruckendste Sicht über das Gehege. Von hier oben erkennt man auch die Bedeutung des Begriffs naturbelassen. Die Bäume in der Anlage wurden nicht etwa absichtlich zu einem wüsten Mikadospiel umgelegt, sondern von einem schweren Sturm im Juni 1997, der auch anderenorts in Worbis große Schäden anrichtete und hier oben im Park auch einen Teil der gerade errichteten Zaunanlagen wieder zerstörte.

Eingewöhnungsstation
Eingewöhnungsstation

Direkt unterhalb der Aussichtsplattform ist auch fast immer einer der Bären, genauer gesagt eine Bärin, zu entdecken. Es ist die schon etwas ältere Mischka, die diesen Platz als ihr Wohnzimmer ansieht und diesen auch erfolgreich gegenüber den anderen Bären verteidigt.

Maika

Maika ist eine Einheimische in diesem Park, sozusagen eine waschechte Worb(is)ärin. Sie wurde 1992 im kommunalen Tierpark geboren. Fünf Jahre lang lebte sie ihrer ursprünglichen Bestimmung nach im Bärenzwinger, der heute noch von Besuchern betreten und besichtigt werden kann. Nach der Eröffnung des alternativen Bärenparks war sie zusammen mit den BärInnen Laura und Goliath unter den Ersten, die die Anlage betreten und für sich entdecken konnten.

die Bärin Maika
Ausgeprägter Muskelhöcker

Schon die, im Verhältnis zu ihren hiesigen Artgenossen, relative kurze Zeit, die sie in einem Käfig gehalten wurde, hat ausgereicht, um deutliche Störungen in ihrem Verhalten auszuprägen. Regelmäßig läuft die Bärin, ohne das Gitterstäbe sie einschränken würden, die Größe der Fläche ihres alten Zwingers ab. Zumeist verfällt die Bärin, die zudem schnell nervös wird, in ihre alten Gewohnheiten, wenn sie Hunger oder Streß hat. Zunächst schien es, als ob ihr die notwendige Ruhe fehlen würde, um die kalte Jahreszeit über eine Pause einzulegen. Im Winter 2000 hielt sie jedoch erstmalig in ihrem Leben den bärentypischen Schlaf.

die Bärin Maika
Auffällig rundes Gesicht

Maika ist mittelbraun, hat verhältnismäßig kleine Tatzen und einen runden Kopf. Auf dem Rücken trägt sie einen deutlich sichtbaren Höcker aus Muskeln. Auffallend ist ihr tippelnder Gang, den sie sich in ihrem alten Käfig angewöhnt hat.

Mischka

Die Bärin Mischka wurde im Januar 1977 im Thaler Tierpark geboren und ist somit die zweitälteste Bewohnerin der Freianlage. Als Zuchterfolg gefeiert, wurde sie bereits im Alter von fünf Monaten von ihrer Mutter entwöhnt und als Geschenk an das Pionierhaus in Artern (Thüringen) überreicht. Über einen Zeitraum von 21 Jahren lebte sie dort in einem gerade 16 qm großen Zwinger. Aus Platzgründen und Mangel an Beschäftigung lief sie dort auf dem Betonboden meist nur im Kreis.

die Bärin Mischka
Kreisläuferin Mischka

Im Juli 1998 wurde die Bärin mit Unterstützung durch Arterner Tierfreunde hierher in den Park überführt. Mischka hatte große Probleme mit der Gewöhnung an ihre neue Lebensbedingungen. Auch heute noch zeigt sie die größten Verhaltensstörungen aller Bären. Die ersten beiden Jahre ihres Aufenthaltes in Worbis nutzte sie nur einen kleinen Teil der ihr zur Verfügung stehenden Fläche der Freianlage. Auch heute noch läuft sie, ganz ihrer alten Gewohnheit entsprechend, viel im Kreis. Als ein Erfolg ist es zu werten, daß sie im Jahr 2000 ihren natürlichen Instinkten folgte und erstmalig die bärentypische Winterruhe gehalten hat. Die Bärin ist sehr ängstlich und meidet den Kontakt zu ihren Artgenossen.

die Bärin Mischka
Klein, aber oho. Mischka

Mischka ist klein, ihr Fell mittelbraun und man kann sie an den grauen Haaren am Hals erkennen.

Goliath

Goliath teilt das gleiche Schicksal wie die Bärin Laura. Wahrscheinlich ist, daß er nach seiner Geburt, etwa 1992, in einem Zirkus gehalten wurde. Genaueres über seine Herkunft ist nicht bekannt, sein vormaliger Besitzer nicht zu ermitteln. 1996 fand man ihn, zusammen mit Laura, ausgesetzt an einer Bundesstraße bei Seesen im Harz. Der Landkreis Hildesheim wurde Eigentümer der Bären und vermittelte beide nach Worbis. Da der Bärenpark zu dieser Zeit noch nicht fertiggestellt war, wurde er vorübergehend in einer holländischen Freianlage, dem Bärenwald in Rhenen, untergebracht. Im Mai 1997 siedelte er zur Eröffnung des Freigeheges zurück nach Worbis.

Goliath
Chef im Wald

Sein Name verrät es schon, Goliath ist der schwerste Bär in Worbis. Er hält die Stellung des Chefs inne und hat diese auch erfolgreich gegen den Schweizer Bären Max, nach dessen Ankunft, verteidigt. Als erster Bär unter den Worbiser Schützlingen hat er zusammen mit Laura eine Höhle für die Winterruhe ausgehoben und während der kalten Jahreszeit einige Monate schlafend dort verbracht.

Goliath und Max
Zwei bärenstarke Typen

Goliaths Auftreten ist, erkennbar zum Beispiel am Gang, sehr selbstsicher und bedächtig. Er ist groß, hat ein dunkelbraunes Fell und eine ausgeprägte Form des Gesichtes, welches er gerne mal verzieht.

Laura

Über die Vergangenheit von Laura können, ebenso wie bei Goliath, nur Vermutungen angestellt werden. Wahrscheinlich wurde sie 1993 geboren und verbrachte ihre ersten Jahre als Zirkusbär. 1996 wurde sie gemeinsam mit Goliath ausgesetzt und an einer Bundesstraße bei Seesen (Harz) aufgefunden. Die Identität des ehemaligen Halters konnte nicht ermittelt werden. Der Landkreis Hildesheim übernahm die Bären und übergab sie dem Bärenpark. Bis zu dessen Fertigstellung, im Mai 1997, wurden beide im Bärenwald Rhenen (Holland), ebenfalls eine Freianlage, untergebracht. Mit den Bären Maika und Goliath war sie auch eine der ersten Bewohnerinnen des Worbiser Parkes.

die Bärin Laura
Kesse Bärin - Laura schaut sich Besucher schon mal aus unmittelbarer Nähe an.

Laura gehört zu den Bären, die den Winter verschlafen. Sie tat dies vom ersten Winter in Worbis an. Einige Tage bevor sie ihr Winterquartier bezieht, wirkt sie nervös und läuft eine bestimmte Strecke auf und ab. In ihrer Anfangszeit konnte man sie im Frühjahr als einzigen der Bären beim Klettern auf Bäume beobachten. Mittlerweile ist sie jedoch zu schwer und groß oder aber die Bäume nicht mehr stabil genug.

die Bärin Laura
Neugierig und übermütig

Die Bärin ist sehr neugierig und wirkt auf den Beobachter kess, ja übermütig. Es kann durchaus sein, daß sie sich direkt auf der anderen Seite des Zauns stehend den Photographen von Nahem betrachtet. Ihr Gesicht ähnelt dem Goliaths und sie hat ein mittelbraunes, ungleichmäßiges langes und fransiges Fell, ihre Ohren sind relativ groß und puschelig.

Emma

Emma gehört zu jenen Bären, die gezüchtet werden, um in jungen Jahren als Besuchermagnet Menschen anzuziehen. Geboren 1991 im Berner Bärengraben in der Schweiz, wurde sie bereits im Alter von zwei Jahren an eine Erlebnisgaststätte in Biberstein abgegeben, um Platz für neuerliche Nachzüchtungen junger Bären zu schaffen. Die darauf folgenden acht Jahre verbrachte Emma, zusammen mit dem Bären Max, in einer Grube auf gerade einmal 36 qm Betonboden. Der tiefergelegten Unterbringung geschuldet, war der Blick nach oben das Einzige, was sie von der Außenwelt und der Natur mitbekam. Besucher warfen von dort Futter zu den Bären hinab, das jedoch zumeist aus Abfällen bestand. Dem Druck Schweizer Tierschützer ist es zu verdanken, daß diese Art der 'Tierhaltung' beendet wurde. Im April 2000 wurden Emma und Max nach Worbis überführt.

Braunbärin Emma
auf Streifzug im Bärenwald

Die Bärin wirkt auch heute noch manchmal nervös und läuft vor der Eingewöhnungsstation umher. Zu Beginn ihrer Unterbringung im Bärenpark konnte man desöfteren beobachten, wie sie, sich auf die Hintertatzen stellend, nach oben schaute und um die eigene Achse drehte. Ein Verhalten, das wohl als Überbleibsel ihrer früheren Haltung aufzufassen ist.

Braunbärin Emma
Blondbärin Emma

Emma ist eine sehr kleine Braunbärin. Durch ihr sehr helles Fell ist sie der wohl am leichtesten zu erkennende Bär der Anlage. Das Verhalten der Bärin könnte man fast als introvertiert beschreiben. Ihre syrische Abstammung ruft hoffentlich keine übereifrigen Terroristenjäger, ganz gleich ob deutsche oder amerikanische, auf den Plan.

Max

Der 1991 geborene Bär ist ein echter Eidgenosse. Im Bärengraben in der schweizerischen Hauptstadt Bern zur Welt gekommen, wurde er im Jahre 1993 nach Biberstein an eine Erlebnisgaststätte abgegeben, um Platz für weitere Züchtungen zu schaffen. Gemeinsam mit der Bärin Emma lebte Max bis zu Beginn des Jahres 2000 in einem in die Erde eingelassenen Käfig, dessen Grundfläche 36qm betrug. Einziger Kontakt zu der ihn umgebenden Welt waren Besucher, die nicht nur Blicke, sondern auch Abfälle nach unten warfen. Im April 2000 wurde Max auf Druck Schweizer Tierfreunde nach Worbis überstellt.

der Bär Max
Posieren für die Kamera

Zunächst zeigte Max noch unnatürliche Verhaltensweisen, wie das Auf- und Ablaufen vor der Eingewöhnungsstation. Erfreulicherweise hat er dies jedoch später abgelegt und ist mittlerweile ein sehr ausgeglichener und ruhiger Bär geworden, der mit allen seinen Artgenossen gut klar kommt. Leider zählt er zu den wenigen Bären, die es noch nicht geschafft haben, ihren Instinkten folgend über den Winter Ruhe zu halten. Vielleicht ist dies ja der Vorfreude auf das Frühjahr geschuldet, da er sich dann großer Aufmerksamkeit und Inanspruchname durch die Damen der Anlage erfreuen kann, so diese denn 'bärig' werden.

der Bär Max
Kein Grand Prix Star: Max

Der Schweizer ist ein vergleichsweise schlanker, sehr großer Bär mit dunklem Fell. Auffällig ist sein längerer, schlanker Hals.

Mischa, Maike und Tina

Alle drei Braunen teilen die gleiche Vorgeschichte. Sie lebten gemeinsam auf 60 qm Granitboden in der Bärenburg in Grimma. In Rußland steht der Bär als Symbol für Stärke und Kraft. Um den in der Nähe Grimmas stationierten sowjetischen Streitkräften ein Stück Heimatgefühl zu vermitteln, wurde im dortigen Tierpark eine Bärenburg errichtet, in der die Drei untergebracht waren. Im März 2002, kurz bevor eine Flut Sachsen heimsuchte, verließen sie trockener Tatze Grimma in Richtung Nordthüringen.

die Bärin Maike
Umbenannt nach Maike

Maike erblickte als Maika im Januar 1978 im Zwickauer Tierpark das Licht der Welt. Da es in Worbis bereits eine Maika gab, wurde kurzerhand das A in ein E umgewandelt. Die kleine Bärin ist sehr vorsichtig und wird schnell nervös. Erkennen läßt sie sich an ihrem grauen Kopf, den relativ hohen Beinen und dem flotten Gang.

Bei der Bärin wurde unlängst eine Arthrose in einer ihrer Hintertatzen sowie ein verdrehtes Kniegelenk festgestellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind dies Folgen ihrer jahrelangen Käfighaltung. Maika wird deshalb in der Eingewöhnungsstation behandelt. Eine Patin der Bärin startete für sie extra eine Sammelaktion, um die teure medizinische Behandlung mitzufinanzieren.

die Bärin Tina
Tina

Tina zeigte sich nach ihrer Ankunft sehr scheu und verließ kaum die Eingewöhnungsstation. Die relativ kleine Braunbärin wurde im Januar 1980 im Bärengraben in Torgau geboren, ehe sie nach Grimma überführt wurde. Ihr Körper wirkt sehr gedrungen und sie hat eine flache Stirn. Im Gegensatz zu den anderen beiden Bären durfte sie ihren Namen weiter tragen. Laut Auskunft des Bärenparkes sind Tina und Maike scheinbar zu echten Freundinnen geworden. Beobachtet man also zwei Bärinnen gemeinsam, könnte es sich um diese Beiden handeln.

der Bär Mischa
Sabbär Mischa

Ebenso wie Maike wurde auch Mischa umbenannt, da der Name Mischka bereits an eine Bärin vergeben war. Zur Welt kam er 1978 im Delitzscher Tiergarten. Mischa hat ein rundliches Gesäß. Ganz einfach identifizieren kann man ihn jedoch daran, daß er sabbert wie ein Boxer. Aus Mangel an Beschäftigung in seiner über 20 Jahre dauernden Käfighaltung hat der Bär ständig an den Gitterstäben gekaut. Schlechte Ernährung tat ein Übriges und so war sein Gebiß bei seiner Ankunft in einem solch schlechten Zustand, daß ihm alle Zähne gezogen werden mußten.

Kathi

Kathi wurde 1972 geboren und ist damit die älteste Bärin des Freigeheges. Sie lebte beim Zirkus Julian. Zwischen den Vorstellungen bestand ihre Welt aus einem nur 10 qm kleinen Käfig. Drei Seiten ihrer Unterbringung waren geschlossen, nur an einer Seite konnte sie durch Gitterstäbe nach draußen schauen. Der Boden des Käfigs bestand aus Blech, das mit etwas Sägemehl bestreut war. Die letzten Jahre ihres Zirkuslebens trat sie nicht mehr auf und verließ auch ihr 'Heim' nicht mehr. Im November 2000 wurde sie beschlagnahmt, da keine Genehmigung für eine Haltung vorlag. Nach einer Anfrage des Münchner Landratsamtes wurde Kathi nach Worbis vermittelt.

die Bärin Kathi
Zirkusbärin Kathi

Der Bärin bereitete die Eingewöhnung kaum Probleme und sie erwies sich als sehr gutmütig und aufmerksam. Sehr gern ließ sie sich mit einem Wasserschlauch abspritzen. Einzig Diät mußte sie einhalten, da ihr die mangelnde Bewegung im Käfig zugesetzt hatte. Zu den anderen Bären nahm sie schnell Kontakt auf, allein Goliath bildet da ein wenig die Ausnahme. Sie zeigt auch einige Erscheinungen, die wohl ihrem hohen Alter geschuldet sind. So hat sie im Sommer bei hohen Temperaturen Probleme und man findet sie dann meist im Schatten ruhend. Sie bewegt sich langsam und kann wohl auch nicht mehr gut sehen. Im Winter 2001 / 2002 hielt sie das erste Mal in ihrem Leben Winterruhe. Im Juli 2004 mußte sie sich einem kleinen Eingriff unterziehen, bei der ihr eine faustgroße Fistel entfernt wurde. Mittlerweile hat sich die Bärenoma wieder von dieser Operation erholt.

die Bärin Kathi
Jimmy und Kathi

Erkennen kann man die kleine, mittelbraune Bärin an ihrem etwas schwerfälligen Gang und ihrem Ziegenbart am Kinn. Sie hält sich oft in der Nähe der beiden Schwarzbären auf, zu denen sie ein besonders gutes Verhältnis hat. Zeitweise hat sie sogar im Schlafzimmer der beiden Schwarzen ihre Winterruhe verbracht.

Jimmy und Gonzo

Die beiden Geschwister Jimmy und Gonzo wurden 1989 im Babyzoo in Wingst geboren. Nach nur fünf Monaten wurden sie von zwei Zirkusdompteuren gekauft. Sie traten bis zum Jahresende 2001 in einem Programm gemeinsam mit Ziegen und Hunden auf. Zu Beginn des Jahres 2002 verstarb ihr Halter. Vorher hatte er per Testament verfügt, daß beide nach seinem Tod nicht mehr in einem Zirkus vorgeführt werden dürfen. Um den Bären ein Leben in dem 12 Quadratmeter großen Zirkuswagen zu ersparen, bat der Partner des Verstorbenen um Aufnahme der Schwarzen. Ende Mai 2002 trafen die Bären in Worbis ein.

Schwarzbären Jimmy und Gonzo
Jimmy oder Gonzo?

Die beiden hatten so gut wie keine Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung. Gleich nachdem sich die Schieber der Quarantänestation für sie öffneten, waren sie in der Anlage verschwunden und erkundeten ihr neues Terrain. Die beiden Schwarzen sind sehr neugierig, ausgeglichen und halten gleichzeitig Winterruhe.

Schwarzbär
Schwarzbär

Sie von den anderen Bären zu unterscheiden ist unproblematisch. Als einzige Schwarzbären der Anlage sind sie leicht auszumachen. Ihr Fell ist tiefschwarz und seidig glänzend. Die Partie um die Schnauze ist deutlich heller. Im Gegensatz zu den Braunen fehlt ihnen der typische Schulterbuckel. Sie haben kurze Krallen und kleine Pfoten. Jimmy und Gonzo selbst auseinanderzuhalten ist schon schwerer und für Besucher schier unmöglich, mit einer Ausnahme. Die Beiden pflegen einen sehr guten Kontakt zur Bärin Kathi. Sehr innig ist dieses Verhältnis jedoch zu Jimmy. Da wird schon mal am Ohr geknabbert und Paarungen zwischen der Braunen und dem Schwarzen wurde ebenfalls beobachtet. Frisch Verliebte können dieses Verhalten eventuell nachvollziehen...

Wölfe

Aus dem bayerischen Türkheim stammt das nun hier beheimatete Wolfsrudel. Ihr Halter war verstorben und den Tieren drohte die Todesspritze. Da in Worbis am bisher einzigartigen Projekt der gemeinsamen Haltung mit Bären gearbeitet wurde, kamen sie im Juli 1998 hierher. Das Rudel bestand zu dieser Zeit aus acht Mitgliedern.

Wölfe
Rudelbildung

Bei den Tieren läßt sich untereinander das ganze Spektrum an Verhaltensweisen beobachten. Dazu gehören Demutsgesten, wie das Auf-den-Rücken-Werfen vor ranghöheren Tieren, aber auch Kämpfe um eine bessere Stellung innerhalb des Rudels. Die Alphastellung unter den Weibchen wurde schon mehrfach ausgefochten, teils auch mit schwerem Ausgang für die Unterlegene. Das männliche Alphatier damals wie heute ist Markus.

Wölfe
Besucher bestaunen

Die Wölfe sind im Gegensatz zu den Bären nicht zeugungsunfähig. Schon einige Male kam in Worbis Nachwuchs zu Welt, der später zum Aufbau weiterer Rudel an andere Einrichtungen abgegeben wurde. Das derzeitig jüngste Exemplar ist eine Sie, Shiara, und erblickte bereits im Mai 2003 das Licht der Welt. Um die Aufzucht der kleinen Wölfe kümmert sich fast immer das rangniedrigste Tier.

Wölfe
Kommt nicht gut weg in Grimms Märchen

Das Verhältnis zu den einzelnen Bären könnte verschiedener nicht sein. Während zu stärkeren Exemplaren respektvoll Abstand gehalten wird, kann es schon passieren, daß ängstliche Bärinnen vor sich her getrieben werden.

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jörg 'lacki' lackner
2003 / 2004
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